Denkanstösse – Zur Fehlsteuerung der Ziviljustiz

Der Beitrag argumentiert, dass die Ziviljustiz aus rechtsökonomischer und liberaler Perspektive fehlgesteuert ist, weil Richter als „imperfekte Entscheider“ mit begrenztem Wissen, Informationsasymmetrien und Ressourcendruck strukturell überfordert sind. Dadurch richten Parteien ihr Verhalten nicht primär an der materiellen Rechtslage aus, sondern an der Erwartung richterlicher Fehler und der teilweise vom Steuerzahler subventionierten Prozesskosten, was Fehlanreize und externe Kosten erzeugt. Ordoliberal gedeutet verwandelt dies Gerichte in eine Art Zentralplaner für private Konflikte, obwohl diese das dezentrale Wissen der Parteien systematisch nicht vollständig nutzen können. Als effiziente, liberale Alternative wird Mediation vorgestellt, die Verantwortung und Wissensvorsprung bei den Parteien belässt, Kostenwahrheit herstellt, Beziehungen erhält und typischerweise schneller und kostengünstiger zu einvernehmlichen Lösungen führt. Ordnungspolitisch plädiert der Text für einen Rückzug des Staates aus der Erstinstanz privater Konflikte („weniger Ziviljustiz, mehr private Ordnung“) und eine Stärkung von Mediation und privaten Konfliktinstitutionen als Leitmodell einer freien Gesellschaft.

Liberales Institut, Zürich
Januar 2026